Seelenwanderung


Den ältesten indischen Texten ist allerdings der Glaube an eine Wiedergeburt als irdisches Lebewesen ebenfalls fremd. Im Rigveda, jener Sammlung von Hymnen, die den Indern auch heute noch als heilig gelten und deren älteste wohl in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends entstanden sind, erfährt man, dass die Verstorbenen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Dadurch werden sie aber nicht völlig zerstört, sondern werden vielmehr zu «Vätern». Diese sind zwar tot und verbrannt, in irgendeiner Weise aber dennoch vorhanden. Sie gehen nämlich in das Reich des Todesgottes Yama ein, wo sie offenbar ein recht angenehmes Dasein erwartet, von wo aus sie aber auch den Lebenden beistehen und zu den Opfern herbeikommen. Sie entsprechen dem Idealbild der Indoarier, die zu jener Zeit allmählich in den indischen Subkontinent eindringen und ihn erobern. Verbindungen zu den Lebenden haben sie insofern, als sie zum Opferritual geladen werden und die Opferspeisen geniessen.
Erste Erwähnung von mehrmaliger Existenz
In den folgenden Jahrhunderten, als die ursprünglichen Eroberer, die sich selbst als Arier bezeichneten, langsam sesshaft wurden, änderten sich ihre Vorstellungen vom Tod und den Dingen danach. In einem Werk über Opferrituale, das ungefähr im 9. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist, im Shatapatha-Brahmana, wird geschildert, wie einst die Götter dank ihrer Kenntnisse über die richtige Aufschichtung des Opferaltars unsterblich geworden waren. Das aber machte dem Tod Angst.
«Der Tod sprach zu den Göttern: Auf diese Weise werden alle Menschen unsterblich werden. Wer wird dann mein Anteil sein? Sie sprachen: Von nun an soll kein Zukünftiger mehr mit dem Leib unsterblich sein. Wenn aber du diesen Anteil ergreifst, dann soll, nachdem er mit seinem Körper gestorben ist, derjenige unsterblich werden, welcher unsterblich ist aufgrund seines Wissens oder seiner Tat. … Diejenigen, welche dieses so wissen, und diejenigen, welche diese Handlung ausführen, werden (zwar) nachdem sie gestorben sind, wiederum geboren. Geboren werdend aber werden sie zur Unsterblichkeit geboren. Diejenigen aber, welche solches nicht wissen oder diejenigen, die diese Handlung nicht ausführen, werden, nachdem sie gestorben sind, wiederum geboren; sie aber werden wieder und wieder seine Speise.»
Hier zeichnet sich bereits ab, was auch heute noch wesentlich ist: Die immer neuen Geburten werden keineswegs positiv gewertet, da eine neue Geburt eben immer wieder einen neuen Tod bedeutet.
 
Kreislauf und Karma


Was im Shatapatha-Brahmana bereits im Ansatz vorhanden war, erfuhr in den Upanishaden eine Verfeinerung und Systematisierung. Am kürzesten und eindeutigsten ist dies in einer Passage aus der Chandogya-Upanishad dargestellt. In ihr finden sich jene Grundsätze, die im Hinduismus bis in die heutige Zeit gültig sind:
Oberstes Ziel einer jeden Existenz ist es, aus dem Samsara, dem Zyklus von Geburt, Tod und erneuter Geburt, zu entkommen und Erlösung und Auflösung zu finden in der Brahma-Welt, der Welt des einen Absoluten. Der Weg, der dorthin führt, ist ebenso wie derjenige, der eine Wiedergeburt bringt, eng verbunden mit dem wichtigen Begriff des Karmas.
Karma, dessen Grundbedeutung ‹Tat, Handlung› ist, darf keinesfalls, wie dies im Westen oft geschieht, mit ‹Schicksal› gleichgesetzt werden. Karma ist vielmehr die Summe der guten und schlechten Handlungen – und der damit verbundenen geistigen Einstellung –, die ein Lebewesen während seiner Existenz anhäuft. Auf Grund dieses Karmas entscheidet sich nach dem Tod, ob das, was vom Toten bleibt, nachdem sein Körper verbrannt ist, ganz im Brahma aufgehen kann oder ob es in höherer oder niedrigerer Form ein neues Leben beginnen muss.
Da allerdings das Karma aus der vorausgehenden Existenz die Stufe bestimmt, auf der ein neues Leben beginnt, versteht sich von selbst, dass nicht alle Lebewesen den Weg der Erlösung gehen können. All jenen, die nicht den obersten drei der vier Hauptkasten angehören, ist der Zugang zum richtigen Wissen, das eine der Voraussetzungen für die Erlösung ist, zum vornherein verwehrt. Alles, was sie tun können, ist, sich im Rahmen ihrer sozialen Stellung in jeder Beziehung richtig zu verhalten, um dann in einer späteren Existenz die Chance zu haben «in einen guten und angenehmen Mutterschoss» einzugehen.

Wege zur endgültigen Erlösung


Da jede erneute Geburt mit Mühsal verbunden ist und unvermeidlich mit dem Tod endet, muss es letztlich das Ziel eines jeden sein, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Während dies aber in ältester Zeit zumindest den Brahmanen möglich war durch Askese, die genaue Kenntnis der heiligen Schriften und die strikte Befolgung religiöser Rituale, tritt später anderes in den Vordergrund. Es geht nun darum, eine geistig höhere Stufe zu erklimmen, und nur derjenige, dem dies vollkommen gelingt, braucht nach seinem Tod nicht in den Zyklus zurückzukehren.
Um diese Vollkommenheit zu erlangen, gibt es Wege und Methoden, und diese werden im Sanskrit mit dem Begriff Yoga
(siehe www.lachyoga.ch) bezeichnet. Bereits in einer der Upanishaden heisst es: «Dies ist die Anordnung für die Erreichung (der Vereinigung mit dem Brahman): Atemkontrolle, Rückzug der Sinnesorgane, Meditation, Konzentration des Geistes, Geisteskontrolle, in Trance versinken – dies wird der sechsfache Yoga genannt.»
Eine eigentliche Systematisierung aber erfährt der Yoga erst in nachchristlicher Zeit, als er sich als eines der sechs orthodoxen, d.h. auf dem Veda basierenden Systeme der indischen Philosophie etabliert.
Dieses System trägt den Namen Yoga-Darshana, ‹Yoga-Lehre›. Als sein Begründer gilt Patanjali, der Verfasser des Yogasutra, eines Werks, das wahrscheinlich zwischen dem 3. und dem 5. nachchristlichen Jahrhundert entstanden ist. Beinahe alles, was heute in Indien und bei uns unter dem Namen Yoga gelehrt wird, beruft sich letztlich auf dieses Werk oder versteht sich als dessen Weiterentwicklung.
Nach diesen Lehren besteht ein menschliches Wesen einerseits aus dem Körper und seinen Funktionen, welche alle – einschliesslich des Denkvermögens – dem Materiellen angehören. Daneben aber existiert in ihm ein Purusha, der Anteil des Individuums am einen Absoluten. Solange dieser nicht gewahr ist, dass er nicht zum Materiellen und seinen Aktivitäten gehört, kann er sich nicht befreien.

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