Vier Kasten

Auf die Frage, woher die Einteilung in Kasten stammt, gibt es mehre Antworten: Eine mögliche Antwort lautet: das Kastenwesen kommt von der berufliche Spezialisierung. Jedoch ist die Kastenordnung mehr als ein soziales Phänomen. Eine andere Antwort lautet, sie wäre eine von den Priestern erfundene Standesordnung. Sie ist jedoch auch kein rein religiöses Phänomen. Vielleicht hat es sich auch aus der historischen Entwicklung heraus gebildet:
Als die Arier in Indien einmarschierten, wollten sie sich von der unterworfenen Urbevölkerung absetzen, um ihre Reinheit zu bewahren. So formierten sich schon damals jene sozialen Gruppierungen. Doch schon im Rigveda findet sich eine religiöse Begründung auf die Kasten.
Aus dem Urwesen Purusha entsteht die ganze Welt. Es hat tausendfache Köpfe, Augen, Füsse... . So entstehen aus seiner Opferung die Hymnen und Gesänge der vier Veden, die Tiere, Himmel und Erde und der Mensch, wobei die Brahmanen aus dem Mund entstehen, die Krieger aus den Armen, die Händler aus den Schenkeln und die Knechte aus den Füßen. Also lässt sich schon dort eine Hierarchie erkennen, wenn man die Rolle der einzelnen Körperteile betrachtet.
Jedoch beinhaltet dieser Text noch nicht die Kastengesetze, welche verbieten Angehörige anderer Kasten zu heiraten oder die Kaste zu wechseln. Sie besagen auch, dass man in den Hinduismus nur hineingeboren werden kann und nicht zu ihm übertreten kann. Dies kommt erst im Buch des Manu (=Mensch) vor, das auf den Stammvater der Menschheit zurückgeführt wird. Jenes wird als Fundament der Hindugesellschaft gesehen. Erst im Mittelalter setzt sich der strenge Kastenrigorismus durch, welcher die Berufswahl vorherbestimmt, aussagt dass es niederen Kasten nicht erlaubt ist die Veda zu studieren und dass Sexualverkehr, gemeinsames Essen und sogar Berührung mit niedereren Kasten Unrein macht. Hat man sich doch verunreinigt, muss man sich angemessen reinigen, wofür es vorgeschriebene Riten gibt.
Am einfachsten lässt sich Struktur der Kasten erklären, indem man sie mit der Ständegesellschaft des europäischen Mittelalters vergleicht. Gelten seit der Epoche der Aufklärung in Europa die Menschen als gleich, erscheint die Kastenordnung der Inder als Manifestation der Ungleichheit. Aber genau darauf beruht die Kastenordnung: man geht in Indien von der Ungleichheit aus. 
Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hat für indische Hindus trotz Abschaffung des Kastensystems in der Verfassung weiterhin grosse soziale Relevanz. Grundsatz der Kastenordnung ist, dass die Lebewesen von Geburt an nach Aufgaben, Rechten, Pflichten und Fähigkeiten streng voneinander getrennt sind. Für die einzelnen Kasten (Varnas) gibt es unterschiedliche spezielle religiöse und kultische Vorschriften, die sich in allen Bereichen des Lebens äussern. Die Durchführung der Pflichten , die jeder Kaste in ihrem spezifischen Lebensstadium obliegt, ist ihre unbedingte Pflicht (Dharma); Übertretungen werden als Versäumnis der Pflichten und folglich als schlecht angesehen. Was von jedem Menschen erwartet wurde, war, dass er den spezifischen Pflichten seiner Kaste folgte, seine Lebenswünsche befriedigte und die Freuden des Lebens genoss. Die Gesellschaft war in vier Kasten eingeteilt , deren Aufgaben idealer Weise folgende waren:

• Brahmanen (Lehrstand), Sie studierten die heiligen Schriften der Veden; erteilten geistliche Unterweisung und führten die rituellen Opfer aus.

• Kshatriyas (Wehrstand), die Kriegerkaste Sie sollten die Schwachen schützen, als Könige gerecht regieren und den Brahmanen Schutz und Ermunterung bei ihren gelehrten und priesterlichen Arbeiten gewähren.
• Vaishyas (Nährstand), die Kaste der Händler und Hirten sollten den Reichtum des Landes durch Handel und Landwirtschaft vermehren.

• Shudras (Diener), die dienende Kaste Sie setzten sich aus der Bevölkerung der Nicht-Aryas zusammen und sollten als Bedienstete für die Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas arbeiten.

Unterhalb der vier Hauptkasten sind die Dalits (von Mahatma Gandhi als Gottes Kinder bezeichnet), die für minderwertige Arbeiten wie Toilettenreinigen und Strassenkehren zuständig sind. Um die Stellung der Dalits zu verbessern, hat die Regierung eine beträchtliche Anzahl von Arbeits- und Studienplätzen im Öffentlichen Sektor für sie vorbehalten. Die Kasten sind wiederum unterteilt in Tausende von "Familiengruppen" oder soziale Gemeinschaften, die Jati genannt werden. In sie wird ein Individuum hineingeboren und sie sind manchmal - aber nicht immer - mit einer beruflichen Tätigkeit verbunden. Obwohl das Kastenwesen im Hinduismus entstanden ist, wird es dort auch von anderen Religionen praktiziert. So hat die Christianisierung das Kastenwesen nicht immer überwunden. Noch heute müssen in vielen Kirchen Indiens Angehörige der unteren Kasten hinten sitzen.

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